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Interaktiver Ortsplan Ergolding

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 Geschichte

 
Die Besiedlung Ergoldings

Das Gebiet um Ergolding war bereits in der jüngsten Steinzeit (um 2000 v. Chr.) durch Menschen besiedelt, wie Ausgrabungen und Fundplätze ergaben.
In frühgeschichtlicher Zeit bewohnten die Kelten unsere niederbayerische Heimat, ein Volksstamm, der durch den regen Handel mit den Ländern des Mittelmeerraumes für die damalige Zeit einen hohen Kulturstand erreicht hatte. Um Christi Geburt drangen die Römer in das nur schwach besiedelte Gebiet nördlich der Alpen vor und besetzten es bis zur Donau. Entlang des Flusses, der sich als neue natürliche Grenze nach den Alpen anbot, bauten sie die bereits vorhandenen keltischen Siedlungen zu starken Grenzfestungen aus und erschlossen das ganze rückwärtige Land durch ein sehr ausgebautes Netz von Militärstraßen. An den römischen Heerstraßen waren alle 3 bis 4 Kilometer Wachstationen und Rasthäuser eingerichtet, aus denen sich nicht selten kleinere Siedlungen und Dörfer entwickelten. In unserem Raum kreuzten sich zwei Römerstraßen. Die eine verlief von Augsburg kommend am linken Isarufer entlang nach Passau weiter. Bei den Ortschaften Altheim, Ergolding, Altdorf, Bruckberg usw. befanden sich wahrscheinlich römische Straßenposten. Die zweite, die Salzstraße, führte von Regensburg nach Süden und überquerte bei Altheim die Isar.
Schon zur Römerzeit begannen nördlich der Donau Wanderzüge der landsuchenden germanischen Stämme. Um das Jahr 400 hatten die Germanen längst große Strecken des Limes (= römischer Grenzwall) durchbrochen und waren bis zu den Alpen vorgestoßen, so dass die Römer gezwungen waren, ihre nördlich der Alpen gelegenen Provinzen aufzugeben und zu räumen.
Der Donauraum war nun dem Einzug und Durchzug der wandernden Völkerstämme freigegeben. Um das Jahr 529 ließen sich die Bayern im Raum zwischen Donau, Lech, Enns und den Alpen nieder. Ihre kleinen Siedlungen benannten sie nach dem Grund- oder Sippenherrn, an dessen Namen die Nachsilbe ”ing” angehängt wurde. Ergolding als ing-Ort am Rande der Isarniederungen gehörte also zu den ersten Gründungen der einwandernden Bayern und geht somit auf die erste Hälfte des 6. Jahrhunderts zurück.

 
Ergolding als Herzogs- und Königsgut
Über Ergolding sind zwei Urkunden erhalten, die zu den ältesten der bayerischen Geschichte gehören. Sie stammen aus den Jahren 822 und 824. Danach fanden hier Gerichts- bzw. Landtage statt, bei denen die geistlichen und weltlichen Großen des Landes versammelt waren. Diese beiden Überlieferungen unterstreichen die besondere Stellung und die große Bedeutung unseres Ortes in den ersten Jahrhunderten nach der Besiedlung. Ergolding war schon in der Agilofinger Zeit ein Fiskal- oder Staatsgut und gehörte als solches den bayerischen Herzögen. Den Herzoghof wird man sich als einen großen Gutshof vorstellen müssen, der von einem herzoglichen Beamten verwaltet wurde. Wahrscheinlich hatte er sich an der Stelle des heutigen Zehnerhofes befunden.
Im Jahre 788 setzte Karl der Große den letzten Agilolfinger auf dem bayerischen Herzogstrohn, Tassilo, wegen Ungehorsamkeit gegen die königliche Gewalt ab und steckte ihn in ein Kloster. Alle seine Besitzungen wurden vom König eingezogen. Ergolding wird damit zum Königsgut und bleibt es mehr als zweihundert Jahre lang.
Kaiser Heinrich II., der Heilige, gründete 1007 das Bistum Bamberg und stattete es reichlich aus mit Gütern aus seinem königlichen Besitz. Mit Urkunde vom 1. November 1007 ging das Ergoldinger Königsgut mit all seinen Zugehörigen, wie Dörfern, Weilern, Kirchen, Kapellen, Knechten und Mägden, überbauten Grundstücken, bebautem und unbebautem Land, Wäldern, Weiden, Jagden, Fischwassern, Mühlen und allen beweglichen und unbeweglichen Sachen als Schenkungen an das bambergische Hochstift über.
Die Bischöfe verwalteten ihre Güter und Besitzungen nicht selbst, sondern gaben sie als Lehen (= Landleihe) an einheimische Adelige weiter. So finden wir von dieser Zeit an in Ergolding einen Ortsadel vor. Die ersten Herren, die sich nach ihrem Sitz Ergolding benannten und deren Namen überliefert sind, waren Dietmar de Ergoltingen (1133), Herrant de Ergoltingen (1147),  Walchuon de Ergoltingen (1187), Pertholt aus Ergolding (1212). Von Thomas dem Ergoldinger ist uns das Wappen bekannt. An einer Urkunde aus dem Jahre 1296 ist ein Spiegel erhalten geblieben. Es zeigt einen seitlichen Sparren und ist für die Gestaltung des Gemeindewappens im Jahre 1955 verwendet worden.
Wie lange Ergolding im Besitz des Bistums Bamberg war, lässt sich nicht genau sagen. Jedenfalls übten zu Beginn des 13. Jahrhunderts die Bayerischen Herzöge bereits die Vogteiherrschaft (= Schutzherrschaft, Gericht, Polizeirecht) in Ergolding aus und besaßen auch Grundrechte in unserem Dorf.
 
 Gräberfelder bzw. Ausgrabungen
 Beim Autobahnbau stieß man 1978 am nördlichen Rand von Ergolding auf einen Friedhof aus der Römerzeit, der freigelegt und untersucht wurde. Das spindelförmige Gräberfeld hat eine Ausdehnung von 73 m in der Länge und 22 m an der größten Breite. Bei einem römischen Friedhof befand sich aller Erfahrung nach auch ein römerzeitlicher Gutshof, eine sog. „villa rustica“. Die Lage des zum Ergoldinger Gräberfeld gehörigen Gutshofes ist bereits seit 1975 durch Luftaufnahmen und Bodenbegehungen bekannt.
1982 wurde in Ergolding in der Fischergasse eine Siedlung der Altheimer Kultur (benannt nach seinem ersten Fundort) entdeckt. Eine zweite Grabungsstelle befand sich ab 1981 auf dem Galgenberg bei Kopfham. Des handelt sich auch hier um eine befestigte, Jungsteinzeitliche Siedlung der Chamer Gruppe, das ist eine Kulturgruppe, die unmittelbar der Altheimer Kultur folgte und die letzte Stufe der Jungsteinzeit bildete.
Reihengräberfunde aus Ergolding. Man hat schon früh vermutet, Ergolding sei ein karolingisches Königsgut gewesen. Großflächige Ausgrabungen in der Mitte der 80iger Jahre bestätigten diese Vermutung, die 1997 durch archäologische Untersuchungen an der Rottenburger Straße untermauert wurden. Bei Ausgrabungen von 1997 - 2002 nördlich und südlich der Flurstraße stieß man auf frühmittelalterliche Gräber. Insgesamt wurden in diesem Gebiet 440 Gräber entdeckt. Im Jahr 2001 fand man bei Bauarbeiten den derzeit bedeutensten Fund. Ein Grab mit drei schwer bewaffneten bajuwarischen Krieger um 680 nach Christus. Im Grab wurden kostbare Grabbeigaben wie Schüsseln aus Bronzeblech, eine große eiserne Schere und wertvolle Schilde und Schwerter gefunden.
Der erste frühbronzezeitliche Vollgriffdolch aus Niederbayern wurde bei Erdbauarbeiten für den Neubau der Mattarelloalle in Ergolding entdeckt. Nachdem sich keine Funde noch Befunde einstellten, steht fest, dass die Waffe weder aus einem Hort noch einem Grab stammt, es handelt sich hier vielmehr um ein sog. Einzelstückdepot.
 
Das Amt Ergolding
Ergolding war seit dem 13. Jahrhundert ein sogenanntes landgerichtliches Dorf, welches dem Landgericht Rottenburg unterstand. Dieses Gericht war in die vier Ämter Rottenburg, Pfeffenhausen, Ergolding und Altdorf unterteilt, von denen jedes mit einer Schranne, d. h. mit einem eingeschränkten, meist etwas höher gelegenen Gerichtsplatz versehen und mit einem Amtmann besetzt war. Aber nur die drei erstgenannten Ämter verfügten auch über ein Hochgericht und eine Richtstätte. Der Landrichter von Rottenburg kam zu den regelmäßigen und zu den besonderen Gerichtstagen nach Ergolding, um zu Gericht zu sitzen. Die Schranne befand sich der Überlieferung nach an der Stelle, wo heute der Wirtsgarten des Gasthauses Rogl an der Rottenburger Straße ist. Die dort stehende alte Linde bezeichnet man noch heute als Gerichtslinde. Außerhalb des Ortes zwischen  Kopfham und Unterglaim befand sich die Richt- oder Schädelstätte weithin auf einer Anhöhe, dem Galgenberg. Das Amt Ergolding bestand mindestens bis Ende des 17. Jahrhunderts.
Aus dieser Zeit stammte auch das Armen- oder Leprosenhaus, das in einiger Entfernung vom unteren Dorf an der ehemaligen Hochstraße nach Altheim lag. Entstanden ist dieses Haus nach einer Verordnung des Kurfürsten Maximilian I. vom Jahre 1628, wonach zum Wohle der heimatlosen Armen, besonders der Kranken, in jedem Landgericht mindestens ein Armen- oder Leprosenhaus durch Zusammenhelfen der landgerichtlichen oder hofmärkischen Untertanen erbaut werden sollte. Dieser Aufruf des Landesfürsten war bedingt durch den Dreißigjährigen Krieg, der damals schon ein ganzes Jahrzehnt im Gange war. Da im Landgericht Rottenburg noch kein solches Haus bestand, baute man 1629 in Ergolding das Leprosenhaus als eine soziale Einrichtung für den gesamten Landgerichtsbezirk.
Dieses erste Armenhaus wurde 1699 wegen Baufälligkeit abgebrochen und dann von Stein ganz neu erbaut. So überstand es die Jahrhunderte bis in unsere Zeit hinein. Seiner ursprünglichen Funktion enthoben und für die Gemeinde überflüssig geworden, war das Haus in den letzten Jahren völlig vernachlässigt und dem Verfall preisgegeben. Um den kostspieligen und umständlichen Abbruch zu umgehen, brannte man das Gebäude am 20. März 1973 ab.
Im 12./13. Jahrhundert siedelten sich in den zentralen Orten vermehrt Handwerker und Gewerbetreibende an. Das führte dort zu einer dichteren Bebauung und der Entstehung eines Ortskern, der sich um einen größeren Platz, meist dem Schrannenplatz, herum bildete. In der Regel waren ja diese Mittelpunktsorte auch Gerichtsorte. Da in diesen stark anwachsenden Ortschaften die Mehrzahl der Bewohner nicht mehr Landwirtschaft betrieben, sondern Bürger und Handwerker waren, brauchten sie den Wochenmarkt, auf dem die Bauern der umliegenden Dörfer ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse und die ansässigen Handwerker ihre Produkte anbieten und absetzen konnten.
Die Verleihung der Marktrechte durch den Herzog war damals praktisch in vielen Fällen eine Notwendigkeit geworden. So wird beispielsweise Rottenburg 1378 zum Markt erhoben.
Trotz des Gerichtssitzes und der überörtlichen Bedeutung im frühen Mittelalter entwickelte sich Ergolding nicht zu einem solchen Marktflecken, sondern blieb bis in unser Jahrhundert herein ein rein landwirtschaftlich ausgerichtetes Dorf. Der Grund dafür liegt im raschen Aufstreben der benachbarten Stadt Landshut, die 1204 von Ludwig dem Kelheimer, des zweiten Bayernherzogs aus der Dynastie der Wittelsbacher, gegründet wurde und bald wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Mittelpunkt unseres Raumes wurde.
 
Die Entwicklung Ergoldings bis zum 20. Jahrhundert
In Ergolding gibt es um die Mitte des 15. Jahrhunderts ungefähr 100 Anwesen. Nur wenige von ihnen bewirtschaften 100 oder mehr Tagwerk Grund. Wie die Aufteilung des Großhofes und seine weiteren Unterteilungen in unserem Dorf im einzelnen vor sich gegangen ist, darüber liegen kaum Angaben vor. Die Anzahl und Größe der Höfe hat sich dann bis zur Abschaffung der Grundherrschaft im Jahre 1848 nicht mehr wesentlich geändert. Auch in der Folgezeit bis zur Mitte unseres Jahrhunderts blieb - von einigen großen Höfen, die zertrümmert wurden abgesehen - im großen und ganzen alles beim Alten, so dass die Struktur des alten Dorfes, wie sie heute noch ersichtlich ist, bereits 500 Jahre alt sein dürfte. Wohl haben Brände und Kriegsereignisse im Laufe der letzten Jahrhunderte unseren Ort oft schwer heimgesucht, aber die einzelnen Anwesen wurden an Ort und Stelle wieder aufgebaut. So wurde beispielsweise im Landshuter Erbfolgekrieg Ergolding gänzlich niedergebrannt. Der bayerische Geschichtsschreiber Veit Arnpeck berichtet darüber in seiner Chronik zum Jahre 1504: ”Als Herzog Albrecht aus der Wagenburg vor Landau aufbrach, zog er die Isar herauf bis nach Essenbach und schlug außerhalb des Dorfes, nicht weit von Altheim, seine Zelte auf, des Samstags nach Margaretentag. Von Stund an zogen sie von dort her in das Dorf Erblting und verbrannten dieses in den Grund.” - Auch im Dreißigjährigen Krieg, sicher die schrecklichste Zeit überhaupt für die Bewohner unseres Landes, wurden die Dörfer um Landshut mehrmals geplündert und verwüstet.
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