roation - lindenstraße obenroation - heimathausroation - isarwegrotation - Peterskircherotation - isarau fischerhütteRotation - LindenwirtRotation - RosenhofRotation - TannenstüberlRotation - StadtbusRotation - Paintnerweiher RosenhofGasthaus BetzGasthaus Oberglaim2Gasthaus OberglaimKrax'n WirtErgoldinger StubnAutohaus Schreiner

Die Entwicklung Ergoldings bis zum 19. Jahrhundert

Die Unterteilung der ursprünglich großen Herrschaftskomplexe der weltlichen und geistlichen Grundherrn in kleinere Höfe und Sölden nahm schon in der Karolingerzeit ihren Anfang. Die Frankenkönige führten zur Aufrechterhaltung und Verteidigung ihres Reiches das Vasallentum und damit eine Art Berufsheer ein. Die Vasallen erhielten vom König oder einem Landesherrn Land als Lehen und waren ihm dafür durch Treueid zu Hof- und Heeresdienst verpflichtet. So schufen sich Könige und Landesfürsten ein über das ganze Reich hin verbreitertes Netz von treuen Gefolgsleuten. Unter den häufigen Ungarneinfällen im 10. Jahrhundert entwickelte sich aus dem Vasallentum das geordnete Rittertum. Die vom Dienstherrn verliehenen Landgüter und Burgen dienten den Rittern als Lebensunterhalt. Sie bewirtschafteten aber ihr Land nicht selbst, sondern beauftragten einen „Maier“ damit oder verliehen es wieder weiter an einen oder mehrere Grundholden, die ihnen abgabepflichtig waren.

 

Mit dem Lehenswesen vollzog sich also die Auflösung der geschlossenen Herrschaftskomplexe. Die Ausbildung der kleineren Grundherrschaften erfolgte nicht plötzlich und auch nicht überall nach dem gleichen Muster, sondern erstreckte sich über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte. Im Laufe der Zeit führte aber die fortgesetzte Weitergabe und Aufteilung der Lehen zu einer ungesunden Aufsplitterung des Bodens und nicht selten zur Ausbeutung der abgabenpflichtigen Untertanen.

 

Wie lange sich der Gutshof in Ergolding mit seinen zugehörigen Siedlungen im Besitz des Hochstiftes Bamberg befunden hat und wann er aufgelöst und in kleinere Lehensanteile unterteilt wurde, ist nicht bekannt. Wegen der Ungarneinfälle ab 907 sind schriftliche Aufzeichnungen aus dieser Zeit kaum vorhanden. Erst ab dem 12. Jahrhundert setzt die schriftliche Überlieferung wieder ein. So erscheinen um 1120 bis 1126 erstmals in den Urkunden des Klosters St. Emmeran in Regensburg Marchwart und Herrant sowie Herwic und Herrant de Ergoltingin als Zeugen. Die Aufführung der Genannten an der Spitze einer ansehnlichen Zeugenreihe und der Vorgang selbst lassen keinen Zweifel daran, dass wir es mit Adeligen aus Ergolding zu tun haben.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Grabstein von Ott dem MeilingerFesteren Boden betreten wir um 1270 mit dem Einsetzen der Urkunden aus dem Bereich der Stadt Landshut und ihren kirchlichen Institutionen. So dass von nun an der Ergoldinger Adel fast ausnahmslos namentlich bekannt ist. Theo Herzog zählt in seinem Buch „Geschichte von Ergolding“ ca. 20 Namen von Lehensherrn auf, die im 14. Und 15. Jahrhundert mit Höfen und Besitzungen in Ergolding in Erscheinung treten. Von ihnen ist Thomas von Ergolding zu erwähnen. An einer Urkunde aus dem Jahre 1296 ist sein Siegel erhalten geblieben. Es zeigt einen seitlichen Sparren. Dieser ist für die Gestaltung des Gemeindewappens im Jahre 1955 verwendet worden. 1387 starb der Adelsherr Ott de Mailinger in Ergolding. Sein großer Grabstein hat sich an der Nordseite der Frauenkirche erhalten. Die Umschrift lautet: „Anno domini M.CCC.LXXXVII feria tercia post esto michi o Ott Meilingar“. Im Jahre 1387, am Dienstag nach dem Sonntag Esto michi (= Faschingsdienstag), starb Ott Meilinger. Ein Hartwic von Glaim taucht 1045 als Zeuge bei einer Besitzübertragung an das Kloster Weltenburg auf. Er ist der erste uns überlieferte ortsansässige Adelige in Glaim. Ab dem 13. Jahrhundert lassen sich auch in Glaim weitere einheimische Grundherrn nachweisen. So tritt 1244 ein Eberhard von Glaim als Zeuge in einer Zehentstiftung des Herzogs an das Kloster Aldersbach auf, und 1265 wird ein Ritter Ulrich von Glaim in einer Urkunde des Klosters Schäftlarn erwähnt. Das Vorhandensein eines Ortsadels und weiterer auswärtiger Grundherrn in unseren Dörfern zeigt, dass im 12. Jahrhundert hier der Übergang vom geschlossenen Herrschaftskomplex zu kleineren Grundherrschaften vollzogen war. Die Dorfstrukturen Ergolding und den umgebenden Dörfern, wie sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestanden, dürften sich damals bereits herausgebildet haben.

 

Mit der Gründung der Burg und der Stadt Landshut 1204 durch Ludwig den Kelheimer, den zweiten Bayernherzog aus der wittelsbachischen Dynastie, kam unser Gebiet immer mehr unter die Herrschaft der Wittelsbacher. Jedenfalls übten die bayerischen Herzöge ab dem 13. Jahrhundert Vogteirechte in Ergolding und Oberglaim aus. Vogteien sind Güter, die geistlichen Herrschaften unterstanden und von weltlichen Herren verwaltet wurden. In Ergolding finden sich ab dieser Zeit immer mehr Höfe, die dem Herzog abgabenpflichtig waren. Auch in Oberglaim lässt sich Herzog Otto II. ab 1250 als Grundherr nachweisen. Wie aus dem ersten Urbar (Bücher, in denen die Abgaben aus den herzoglichen Eigen- und Vogteigütern verzeichnet sind) hervorgeht, besaß der Herzog 1230 auch in Piflas zwei Höfe, 1439 waren es dann schon vier, (der Hülzenhof, der Perchhold-Todfeyl-Hof, der Seyfried-Todfeyl-Hof und der Hof der Lehpühlerin) und 1524 wird neben diesen vier Höfen noch eine Mühle und ein weiteres Gut nebst Gärten, Wiesen, Äcker und Fischwassern aufgeführt. Die Entstehung des Sitzes Pruck in Piflas fällt aber erst in das 18. Jahrhundert. 1723 wird dem kurfürstlichen Rat und Fiskal- und Landesadvokaten zu Landshut Johann Richard Stockmayr die Jurisdiktion und niedere Gerichtsbarkeit über den Edelsitz Pruck erteilt. Dieser Edelmannsitz wurde gebildet aus zwei im Dorf Piflas gelegenen halben Höfen, nämlich dem Pruckhof und der Plankenschwaige, und fünf Untertanen und deren Güter (drei Sölden in Piflas, eine Sölde zu Egg und das Schapolnerschwaigl). Das heutige Schloß mit der Schloßkapelle, die dem hl. Johannes Nepomuk geweiht ist, wurde 1725 erbaut. 1799 stiftet die Besitzerin des Gutes, Freifrau von Hagen, bei der Schloßkapelle ein Benefizium.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Schloß PiflasNeben den Wittelsbachern war seit dem 13. Jahrhundert auch das Kloster Seligenthal in Ergolding, Oberglaim, Unterglaim, Hader, Brenneisen und Piflas begütert. Die Witwe Ludwig des Kelheimers, Ludmilla, gründete 1232, ein Jahr nach der Ermordung ihres Mannes, das Kloster Seligenthal vor den Toren der Stadt Landshut als Gedächtnis- und Begräbnisstätte der Wittelsbacher. Als Hauskloster der Wittelsbacher erfreute sich Seligenthal einer besonderen Förderung seitens der Landesherrn und erhielt reichlich Schenkungen aus dem herzoglichen Besitz. So hat das Kloster u. a. seit 1270 auch das Patronatsrecht an der Pfarrei Ergolding inne, d. h. die Äbtissin von Seligenthal bestimmte bis zur Säkularisation mit Willen des Bischofs, wer in Ergolding Pfarrer sein soll. Nach der Säkularisation übte die Universität München als Rechtsnachfolgerin des Klosters dieses Recht noch bis 1974 aus. 1304 geht das „Chunigholz“ (Königholz) Zwischen Pfettrach und dem Glaimtal, das sogenannte Klosterholz, an das Kloster Seligenthal über.

 

Mitte des 15. Jahrhunderts werden die Ritterheere abgelöst durch Söldnerheere. Diese werden nicht mehr durch Grund und Boden, sondern durch klingende Münzen entlohnt. Die grundherrschaftliche Ordnung blieb aber weiter erhalten. Als Grundherrn treten nun neben den Adeligen auch immer häufiger kirchliche Institutionen, Klöster und Bürger der Städte und Märkte auf. Aus dieser Zeit gibt es ausführliche Quellen, die uns über den damaligen Dorfbestand und die Grundherrschaften Aufschluss geben.

 

 

Quelle: Heimatbuch des Marktes Ergolding, November 1999

Das Heimatbuch des Marktes Ergolding ist beim Markt Ergolding für 13,00 € erhältlich.

drucken nach oben