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Flugplatz Ergolding

1936 begannen die Verhandlungen des Luftkreiskommandos V in München mit der Gemeinde Ergolding über den Bau eines Notflugplatzes in Ergolding zwischen der Bahnlinie Landshut-Plattling, der jetzigen Rottenburger Straße, der Bundesstraße und der jetzigen Landshuter Straße. Das Areal, das ca. 90 ha umfasst und heute überwiegend bebaut ist, war damals ausschließlich Wiesengelände. Die beteiligten Landwirte erklärten sich am 22.09.1936 mit der Abtretung der benötigten Grundflächen gegen einen jährlichen Pachtzins von 60 RM pro Tagwerk einverstanden. Es wurden insgesamt 81 Pachtverträge abgeschlossen.

 

Grossansicht in neuem Fenster: Ein bei der Landung am Flügel beschädigtes FlugzeugNoch im selben Jahr begannen dann die Planierungsarbeiten, die Anlage von Entwässerungsgräben und die Verlegung der Landshuter Straße, die vorher ungefähr entlang der heutigen Schinderstraße verlief. Das im Flugplatzgelände an der damaligen Landshuter Straße befindliche neue Siedlungshaus des Bahnpolizisten Albert Ulrich Hs.Nr. 113 (Baujahr 1935) wurde von der Reichsluftfahrtbehörde käuflich erworben und abgebrochen. An der alten Verbindungsstraße des Ortes Ergolding mit der Bundesstraße (heutige Rottenburger Straße), die auf einer Aufschüttung mitten durch die Wiesen verlief und die Ostgrenze des Flugplatzes bildete, standen hohe Pappeln. Diese wurden auf Veranlassung des Flugplatzkommandanten aus Sicherheitsgründen gefällt. Trotzdem ereigneten sich später hier bei Start und Landung einige Unfälle, zum Teil mit tödlichem Ausgang. Östlich dieser Straße wurden die zum Flugplatz gehörigen Gebäude und Baracken und die Munitionsbunker gebaut. Die Fliegerhallen standen entlang der Plattlinger Bahnlinie. Für die Versorgung der Flugzeuge mit Treibstoff und den Antransport von Munition wurde eigens ein Bahngleis angelegt, das bei diesen hallen in der heutigen oberen Sportplatzstraße endete. Von all diesen Anlagen steht heute nur mehr das Hauptgebäude in der Rottenburger Straße, in dem das THW untergebracht ist. In der Heimgartenstraße sind zwischen den Gärten noch die Bunkerruinen zu sehen. Der Müller Satzl in Albing musste wegen der Verlegung der Wassergräben seine Mühle stilllegen. Er wurde für das verlorengegangene Wasserrecht entschädigt. Wie im Gemeindeprotokoll vom 16.02.1938 nachzulesen ist, wurde der Gemeinde geraten, die geplante Reparatur am Kirchturm der Pfarrkirche nicht durzuführen, da er nach Mitteilung des Luftkreiskommandos „eingekürzt“ werden muss, was dann doch nicht geschah.

 

Bei Kriegsausbruch 1939 wurden alle Luftwaffenverbände auf Kriegsstärke aufgestockt, und so wurde auch der Reserveflugplatz Ergolding mit einer kompaniestarken Mannschaft als Bodenpersonal belegt. Die Fliegerhorstkommandantur beschlagnahmte im Herbst dieses Jahres einen Teil des Schulhauses für das Sanitätspersonal (9 Mann). Ein Schulraum und eine der beiden Lehrerwohnungen mussten dafür geräumt werden. Dort richtete man ein Arztzimmer, ein Untersuchungszimmer, einen Warteraum und einen Verbandsraum ein. Der Unterricht für die betroffenen Klassen fand in der stillgelegten Wagnerwerkstatt des Anwesens Hs.Nr. 36 statt, eine äußerst ungünstige Lösung, weil der Raum schmal und langgezogen war und dazu noch die Wände voller Werkzeuge hingen. Doch die Gemeinde bemühte sich, dass die ausquartierten Klassen bald wieder in ihr angestammtes Klassenzimmer zurückkehren konnten. Unter dem 20.11.1939 steht im Gemeindeprotokoll: „Der Gemeindesekretär Herr Martin muss sein Zimmer im Schulhaus räumen damit der beschlagnahmte Schulsaal wieder frei wird“. Die Schreibstube des Fliegerhorstes befand sich im Pfarrhof. Auch der Pfarrstadel war von der Wehrmacht belegt worden. Im ebenfalls beschlagnahmten Stall des Bartelanwesen Hs.Nr. 54 wurde mit dem Gras und Heu des Flughafengeländes unter Zufütterung von Zuckerschnitzel Ochsen gemästet. Ab 1940 betrieb der Flughafenhorst unter anderem auch eine Angorahasenzucht mit ca. 2.800 Tieren zur Gewinnung der dringend benötigten Wolle. Ergoldinger Frauen und Mädchen wurden eingestellt bzw. dienstverpflichtet, um die Tiere jeden Tag zu füttern, zu kämmen und alle 6 Wochen zu scheren. Diese Frauen arbeiteten auch in der Küche und in der Landwirtshaft mit. Die Randstreifen des Flugplatzgeländes wurde nämlich auch landwirtschaftlich genutzt. Man baute dort Brennesel an, die geerntet und getrocknet und zur Fasergewinnung abgeliefert werden mussten. Der Flugplatz selbst musste ständig sauber gehalten und regelmäßig gemäht werden. Ein Bediensteter war damit beauftragt, die Maulwurfhaufen einzuebnen und die Maulwürfe mit Fallen zu fangen. Georg Strauß war vom 23.08.1941 bis zum 26.06.1943 als Fluglehrer in Ergolding stationiert. Er erzählt u. a.: “Vom 31.01 bis 18.02.1942 lag soviel Schnee, das die Ergoldinger Bauern zum Schneeräumen am Flugplatz dienstverpflichtet wurden. Der Schnee musste von der Landebahn weggefahren werden“.

 

Nach dem Frankreichfeldzug wurde das in Ergolding stationierte Bodenpersonal bis auf ein paar Mann zu den neuen Basen des Geschwaders nach Frankreich verlegt. Ab Ende 1940 gehörte der Flugplatz Ergolding als Außenplatz zur Flugzeugführerschule Pilsen. Von da an waren ständig ca. 40 Flugschüler, 6 bis 7 Fluglehrer und das dazugehörige Verwaltungs- und technische Bodenpersonal in Ergolding stationiert. 1943 löste sich die Flugzeugführerschule in Pilsen auf und Ergolding wurde der Flugzeugführerdoppelschule Straubing zugeteilt. Am Verwendungszweck und der Ausbildung von Flugschülern zu Militärflugzeugführer änderte dies nichts. Erst gegen Ende des Krieges musste der Flugbetrieb wegen Treibstoffmanngels eingestellt werden.

 

Im Frühjahr 1945 wurde das Flugplatzpersonal noch in den Erdeinsatz gegen die russische Armee nach Österreich befohlen und erlitt dabei ungewöhnlich hohe Verluste. Nach Auflösung des Ergoldinger Flugplatzes landeten kurz vor Kriegsende noch mehrere JU 52 (dreimotorige Transportflugzeuge), die Flüchtlinge aus der Tschechei brachten. Diese Flugzeuge –es waren ca.10 Maschinen – blieben bei Kriegsende auf dem Flugfeld zurück.

 

Nach dem Krieg erhielten die Landwirte bzw. Eigentümer ihre Grundstücke wieder zurück, nachdem sie bereinigt und neu vermessen waren. Von den 9 Baracken, der Obstanlage und mehrere Ziergärten waren 1946 nur mehr 6 Baracken vorhanden, die vom Landratsamt wieder instand gesetzt und dann von der UNRRA (=Ausländerlager für im Krieg verschleppte Ostarbeiter) benutzt wurden. In die stabileren Gebäude an der Rottenburger Straße zog später das technische Hilfswerk (THW) ein.

 

 

 

Quelle: Heimatbuch des Marktes Ergolding, November 1999

Das Heimatbuch des Marktes Ergolding ist beim Markt Ergolding für 13,00 € erhältlich.

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