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Bildung der politischen Gemeinden in Bayern

Der Beginn des 19. Jahrhunderts ist gekennzeichnet durch große Umwälzungen in der Organisation und der Verfassung des Bayerischen Staates, deren Auswirkungen bis hinaus auf das kleinste Dorf und in die letzte Einöde zu verspüren waren. Bei der Säkularisation 1801 – 1803 wurden die kirchlichen Institute und Klöster aufgelöst und ihre Besitzungen dem Staat überschrieben. 1802 griff der Staat empfindlich in die Selbstverwaltung der Städte ein, zog deren Gerichts- und Polizeigewalt ein und ordnete das Steuersystem neu. Im Zuge all dieser Maßnahmen wurden die alten Landgerichte und Landgerichtsbezirke aufgelöst und auch auf dem Lande eine umfassende Steuerreform eingeführt, bei der das vielgestaltige und unübersichtliche Abgabewesen durch ein einheitliches Steuersystem ersetzt wurde. Zu diesem Zwecke wurden die Steuerbezirke gebildet, die gleichzeitig Gemeindegebiete sein sollten. Sie sollten mindestens 250 Seelen oder 50 Familien aufweisen. Diese Steuergemeinden waren nicht mehr räumlich und wirtschaftlich gewachsenen Einheiten wie die bisherigen Ortschaften, sondern vielfach willkürlich zusammengefasste Gebilde. Ergolding und Piflas wurden eine Steuergemeinde mit 111 Familien und 650 Seelen. Die Gemeinde Oberglaim mit 98 Familien und 524 Seelen wurde gebildet aus den Dörfern, Weilern und Einöden Brenneisen, glöcklberg, Grandsberg, Hader, Hardt, Käufelkofen, Kopfham, Kottingrohr, Kreuth, Lehen, Oberglaim, Oberwaltenkofen, Pfarrkofen, Reitberg, Spitzlberg, Stehberg, Unterglaim und Unterwaltenkofen.

 

Gleichzeitig mit der Gemeindebildung wurden zur besseren Erfassung der Steuern die Hausnummerierung eingeführt, alle Grundstücke vermessen, mit Plannummern versehen, nach ihrer Bodengüte klassifiziert und ein Urkataster angelegt. Das Dorf Ergolding bestand damals nur aus der heutigen Lindenstraße und einigen kurzen Seitengassen. Die Hausnummerierung, die in Ergolding bis 1962 gültig geblieben ist, begann im Südwesten und führte an der südlichen Häuserreihe unter Einbeziehung der etwas zurückgelegenen Höfe entlang bis zum anderen Ortsende und lief dann auf der nördlichen Dorfseite wieder zurück. Außerhalb dieser Reihe gelegene Anwesen waren das Binderhaus Hs. Nr. 22, die Schmiede, d. h. die Schmiedwerkstätte mit Beschlagbrücke und Kohlenkammer Hs. Nr. 86 und der Zehentstadel Hs. Nr. 106, die alle in der Mitte der Dorfstraße standen. Vor dem binderhaus lag ein heute eingefüllter Tümpel, die sogenannte Binderlake. Die 19 Anwesen in Piflas waren im Bereich der heutigen Dekan-Simbürger-Straße, Johannisweg und Gustl-Waldau-Straße platziert. In den Ortsteilen der früheren Gemeinde Oberglaim wurden die alten Hausnummern 1981 durch neue ersetzt. Oberglaim hatte 1808 mit Ödmann und Weihermann 24 Hausnummern, Unterglaim mit Spitzlberg 19, Hader mit Kreuth, Hardt, Brenneisen, Reitberg und Grandsberg 12, Käufelkofen 9, Kopfham mit Stehberg und Glöcklberg 10, Pfarrkofen 7, Oberwaltenkofen 8, Unterwaltenkofen 3, Kottingrohr 4. Zu den ganzen Hausnummern des Jahres 1808 kamen später die Halb- und Teilnummern.

 

Wie unsere Dörfer und Einöden zu Beginn des 18. Jahrhunderts etwa ausgesehen haben, darüber geben uns die Hofbeschreibungen im Urkataster Aufschluss. Diesen Aufzeichnungen zufolge waren damals fast noch alle Wohnhäuser, ganz zu schweigen von den Ställen und sonstigen Nebengebäuden, aus Holz gebaut und mit Stroh oder Schindeln gedeckt. Die ersten Steinbauten sind die Backöfen gewesen, die heute kaum mehr anzutreffen sind. Nicht mehr vorhanden sind auch die auf Säulen gestellten Getreidekasten, die damals bei fast allen größeren Anwesen aufgeführt werden. Heute sind nur noch wenige Holzhäuser vorhanden und diese sind meist durch Verputz und Anstrich den Steinbauten angepasst. Man darf also den weitaus größten Teil des heutigen Baubestandes dem 19. und 20. Jahrhundert zurechnen.

 

Der im Kataster von 1808 ausgewiesene Grundbesetz der Anwesen, der in der Regel noch den Verhältnissen der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg entsprochen haben dürfte, war nicht mehr lange gültig. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts war den Grundholden die Möglichkeit gegeben, durch eine einmalige Zahlung die Grundherrschaft und die grundherrlichen Gefälle abzulösen. Von dieser Möglichkeit wurde aber nur sehr zögerlich Gebrauch gemacht. Das zeigen die Anwesenlisten im letzten Abschnitt, die nur wenige Anwesen als Eigengüter ausweisen. Aber spätestens mit der Abschaffung der weltlichen Grundherrschaften im Jahre 1848 wurden die Anwesenbesitzer alle Eigentümer und konnten ihren Hof oder einzelne Grundstücke nach Belieben verkaufen oder vertauschen. Das Geschäft der Grundstücksmakler blühte in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts prächtig auf. Zum Glück werden zu dieser Zeit bereits Kataster und Grundbücher geführt, so dass man die oft rasch wechselnden Besitzverhältnisse leicht verfolgen kann. Gegen Ende des letzten Jahrhunderts lässt dieser Güter- und Grundstückshandel mit der Einführung der Grunderwerbsteuer wieder stärker nach. In Ergolding werden zu dieser Zeit die meisten Höfe durch sogenannte Ausbrüche verkleinert oder zertrümmert. Als große Höfe blieben nur mehr der Füßlhof, der Gierbauer, der Noimer, der Hagner und der Zehentner. In der früheren Gemeinde Oberglaim blieben dagegen mehr Höfe ungeteilt vor allem die Einödhöfe.

 

Das Gemeindeedikt vom 17. Mai 1818 schuf die heutigen Gemeinden mit kommunaler Selbstverwaltung und freier Wahl der Gemeindeorgane. Vorher waren die Bauern ohne Mitbestimmungsrecht. Zu den Aufgaben der jungen Gemeinden zählte:

  1. Die Verwahrung des Gemeindebuches und des Gemeindekatasters,
  2. Die Verkündigung und Aufbewahrung der königlichen Verordnungen,
  3. Die Führung eines Zivilstandsregisters,
  4. Die Vermittlung bei Streitigkeiten,
  5. Die Bestrafung geringer Verbrechen und weitere ortspolizeiliche Befugnisse.

Das Zivilstandsregister war nur eine Einwohnerliste, aus der die stimmberechtigten Gemeindebürger ersichtlich sein mussten. Stimmberechtigt war, wer besteuerte Grundstücke besaß oder ein besteuertes Gewerbe in der Gemeinde ausübte. Frauen oder Dienstboten hatten kein Stimmrecht. Das allgemeine Wahlrecht wurde erst 1919 eingeführt.

 

Die stimmberechtigten Gemeindebürger wählten den Gemeindeausschuss anfangs alle drei Jahre und ab 1869 alle fünf Jahre. Er bestand aus dem Gemeindevorsteher, der ab 1869 Bürgermeister heißt, dem Gemeindepfleger, ab 1869 Beigeordneter und später 2. Bürgermeister genannt, und sowohl in der Gemeinde Ergolding als auch in der Gemeinde Oberglaim aus weiteren 8 Gemeindebevollmächtigten, heute würde man sagen Gemeinderäte. Die Gemeinden konnten Geldumlagen erheben und Gemeindefronen, wie Gespann- und Handdienst für die Herstellung und Reparaturen von Gemeindegebäuden, Straßen, Wege, Brücken usw., von den Gemeindemitgliedern fordern. Zu den Gemeindefronen gehörten auch die Quartierlasten für das Militär. Der Dorfvorsteher sollte alle Jahre im Herbst die Grenzen der Gemeindeflur sowie der einzelnen Grundstücke unter Beiziehung zweier junger Gemeindemitglieder besichtigen und die abgängigen oder schadhaften Markierungen wieder erneuern. Der Gemeindevorsteher und der Gemeindepfleger sollen aus dem höchst besteuerten Zweidrittel der Einwohner genommen werden und der Gemeindevorsteher soll möglichst keine Gastwirtschaft betreiben. Ab 1848 fiel in die Zuständigkeit des Gemeindeausschusses auch die Erteilung des Bürgerrechts und der Heiratsgenehmigungen, die früher vom Grundherrn erteilt wurden. Dies blieb bis 1919 so. Amtspersonen wie der Pfarrer oder der Lehrer erhielten grundsätzlich mit ihrem Dienstantritt in der Gemeinde das Bürgerrecht, Grundbesitzer gewöhnlich auf Antrag und gegen Entrichtung einer Gebühr. Andere Personen konnten das Heimatrecht erst beantragen, wenn sie sieben Jahre in der Gemeinde gewohnt und keine Armenunterstützung bezogen hatten. Die Heimatgemeinde war ja verpflichtet für eventuelle Armenunterstützung ihrer Bürger aufzukommen. Auch die Heiratsgenehmigung wurde in der Regel bei steuerpflichtigen Bewohnern ohne weiteres erteilt. Schlechter waren die Einwohner ohne Besitz gestellt; ihnen wurde vielfach die Genehmigung versagt. Die Betroffenen konnten dann wohl beim Bezirksamt Berufung einlegen, was aber doch einen langwierigen Instanzenweg bedeutete. Schlecht sah es auch mit der Versorgung alt oder invalid gewordener Arbeitskräfte aus. Entweder erhielten sie bei einem gutherzigen Bauern ihr Gnadenbrot oder sie wurden vom Gemeindearmenfond notdürftig versorgt. Hier trat erst langsam eine Besserung ein, als sich in den 80iger Jahren des 19. Jahrhunderts der Staat durch Schaffung von Sozialgesetzen wie Krankenkassengesetz und Einführung einer Alters- und Invalidenversicherung sich um diesen Personenkreis mehr annahm.

 

Im Gemeindearchiv in Ergolding sind die Beschluss- bzw. Protokollbücher der früheren Gemeinden Ergolding ab 1864 und Oberglaim ab 07.02.1848 vorhanden. Danach kam der Gemeindeausschuss in den ersten Jahren ungefähr 10 Mal im Jahr zu einer Sitzung zusammen. Die Einladung zu den Ausschusssitzungen erfolgte mündlich durch den Gemeindediener (=Gemeindebote). Die Sitzungen fanden anfangs im Haus des Vorstandes oder eines Ausschussmitgliedes statt. Sie waren oft nur sehr kurz mit einem oder zwei Tagesordnungspunkten. Das Protokoll der Sitzung des Gemeindeausschusses in Oberglaim vom 27.05.1883 lautet sogar: „Zur heutigen Sitzung haben sich von 10 Mitgliedern 7 eingefunden. Da kein Beratungspunkt vorlag, wurde die Sitzung geschlossen.“ Beratungsgegenstand waren hauptsächlich die Mitteilungen aus den Amts- und Kreisblätter, dann der Vollzug von Gesetzen und Verordnungen des Bezirksamts und Gemeindeangelegenheiten. Zu diesen gehörten die Festsetzung der Gemeindeumlage, Einbürgerungsgesuche, Heiratsgenehmigungen, Ausstellung von Leumund- Und Vermögenszeugnisse, Schulangelegenheiten, Scharwerksarbeiten, Uferschutz, Brückenbau, Bachräumung, Schneeräumen und Setzen von Schneezeichen, Waldpflanzenverkauf, Verpachtung von Gemeindegründen, Vergabe der Gemeindejagden. Auch die Maßnahmen gegen Maul- und Klauenseuche, Schweinerotlauf, die Fleischbeschau, das Abhalten von Obstbaulehrkursen, Viehhaltungskursen und anderen Kursen, der Betreib der Dampfmaschine, die Eichungen von Maßen und Gewichten, und die Körungen von Zuchttieren waren Gemeindeangelegenheiten. Die Gemeindeverwaltung Ergolding und die Gemeindeverwaltung Oberglaim erlassen am 10.03.1903 bzw. am 06.09.1908 gleichlautende ortspolizeiliche Vorschriften; darin heißt es unter anderem: „Es ist verboten in Wohn- und Schlafräumen Schweine, Ziegen und Nutzgeflügel zu halten. Wohn- und Schlafräume dürfen zur längeren Aufbewahrung von Feldfrüchten und größeren Mengen von Viktualien nicht benützt werden. Das Futterkochen in Wohn- und Schlafräumen ist nach Möglichkeit zu vermeiden“ und „Unverheiratete Personen verschiedenen Geschlechts, welche das 12. Lebensjahr bereits überschritten haben, dürfen nicht in den nämlichen Schlafräumen untergebracht werden; dieses Gesetz findet auch auf Geschwister Anwendung.“

 

Die notwendigen Bekanntgaben an die Gemeindebürger wurden am Sonntag nach dem Gottesdienst vor der Kirche verlesen. Das Verkündigungsbuch der Gemeinde Ergolding von 1867 bis 1930 ist noch vorhanden. Die Eintragungen sind ausschließlich an Sonntagen. Der letzte Vermerk erfolgte am 21.09.1930. Wie aber von älteren Mitbürgern zu erfahren ist, gab es bis zum Krieg neben den Anschlägen an der 1929 erstellten Amts- oder Gemeindetafel auch noch die Ausrufung. 1930 sind beispielsweise bis zum September 20 öffentliche Ausrufe und 11 Aushänge eingetragen.

 

Ab 1933 wurden die Gemeinderäte nicht mehr von den Gemeindebürgern gewählt, sondern durch die Kreisleitung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) berufen. Die Handhabung der Gemeindeverwaltung erfolgte nicht mehr nach demokratischen Grundsätzen, sondern nach dem Führerprinzip. Der Bürgermeister hatte die Gemeinde zu leiten und die Gemeinderäte hatten nur mehr beratende Funktion. Gemeinderatswahlen im demokratischen Sinne gab es nicht mehr.

 

 

 

 

Quelle: Heimatbuch des Marktes Ergolding, November 1999

Das Heimatbuch des Marktes Ergolding ist beim Markt Ergolding für 13,00 € erhältlich.

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