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Kriegs- und Notzeiten

Landshuter Erbfolgekrieg (1503 – 1505)

Das älteste kriegerische Ereignis, das unser Gebiet berührt hat und über das konkrete Aufzeichnungen vorhanden sind, war der Landshuter Erbfolgekrieg. Als Herzog Georg der Reiche von Landshut-Niederbayern, der bekannt ist Durch seine prunkvolle Hochzeit mit der polnischen Königstochter Jadwiga im Jahr 1475, im Dezember 1503 mit 48 Jahren starb, waren ihm seine männlichen Nachkommen im Tode bereits vorausgegangen. Er ließ daher kurz vor seinem Tod unter Missachtung der wittelsbacher Hausrechte seine Tochter Elisabeth und ihren Gemahl Rupprecht von der Pfalz als Erben seines niederbayerischen Herzogtum einsetzen. Sein Vetter Herzog Albrecht IV. von München- Oberbayern machte aber seinen berechtigten Anspruch auf das reiche, im Mannesstamm erloschene Landshuter Herzogtum geltend. So kam es zum Kampf zwischen den beiden Teilen Bayerns und ihren Verbündeten. In diesem Erbfolgekrieg, der das ganze Land auf das schrecklichste verheerte und verwüstete, ist auch Ergolding gänzlich niedergebrannt worden. Der bayerische Geschichtsschreiber Veit Arnpeck berichtet darüber u. a.: „Als Herzog Albrecht aus der Wagenburg vor Landau aufbracht, zog er die Isar hinauf bis nach Essenbach und schlug außerhalb des Dorfes, nicht weit von Altheim, seine Zelte auf, des Samstags nach Margaretentag 1504. Von Stund an zogen sie von dort her in das Dorf Erblting und verbrannten dieses in den Grund“.

 

Dreißigjähriger Krieg (1618 – 1648)

Im Dreißigjährigen Krieg hatte Bayern zunächst nur unter den Soldatenanwerbungen und vor allem unter den hohen Kriegssteuern zu leiden. Als jedoch der lange Zeit siegreiche Feldherr der katholischen Liga Tilly am 7. September 1631 dem Schwedenkönig Gastav Adolf in der Schlacht bei Breitenfeld (Sachsen) unterlag, drangen die schwedischen Kriegshorden unaufhaltsam nach Bayern vor. Hatte die Bevölkerung schon unter den befreundeten Landsknechten oft arg zu leiden, die neben den vielen Quartierleistungen auch die Dörfer plünderten, so brachten ab 1632 die schwedischen Truppen unvorstellbare Grausamkeiten, Mord und Brandschatzung über das Land. Alle zeitgenössischen Schilderungen sind voll des Entsetzens über die Untaten, die in jener Zeit verübt wurden. Fast drei Jahre lang (1632-1634) war Bayern Kriegsschauplatz oder Durchzugsgebiet für das Kriegsvolk. Besonders 1634 erlitten die Landshuter und die Bewohner der umliegenden Dörfer unbeschreibliche Greueltaten durch die schwedischen Söldnerhaufen. Nach ihrem Abzug herrschte Hungersnot und Pest unter den Überlebenden, die sich vor den Mord- und Räuberbanden in Sicherheit bringen konnten. In den letzten Kriegsjahren wurde das Land dann nochmals in ähnlich schwere Weise durch Krieg, Hunger und Krankheit heimgesucht. Noch 1650 starben viele Menschen den schwarzen Tod.

 

Von Ergolding wissen wir zuverlässig nur, dass der Koislmaierhof Hs.Nr. 14 niedergebrannt wurde, so dass er 1655 wieder aufgebaut werden musste. Ferner heißt es, dass die Pfarrregistratur beim ersten Feindeinfall 1632 verbrannt und der Zehentner zweimal abgebrannt worden sei. Das sind aber nur vereinzelte, zufällig erhaltene Nachrichten. In Wirklichkeit dürften viel mehr Anwesen vernichtet worden oder zu Schaden gekommen sein, ganz zu schweigen von den Leiden der Bevölkerung in dieser Zeit. Die Felder wurden nicht mehr bestellt, so dass sie von Strauchwerk und Unkraut überwucherten. Es dauerte Jahrzehnte bis sich die spärlich vorhandene Bevölkerung soweit erholt hatte, dass wieder alle Anwesen bewirtschaftet werden konnten.

 

 

Die Kriege des 18. Jahrhunderts

Auch die Kriege des 18. Jahrhunderts brachten mit ihren langfristigen Besatzungen, Quartierleistungen, Durchzügen, Kriegssteuern und Kontributionen viel Not und Elend über unser Land. Sowohl im Spanischen Erbfolgekrieg 1701–1714 als auch im Österreichischen Erbfolgekrieg 1742-1745 wurde Bayern von den gegnerischen Truppen besetzt, ausgebeutet und verwüstet. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts folgten dann zwar ruhigere Jahre für unser Land, aber es trug noch schwer an der durch die Kriege verursachten Schuldenlast.

 

So wird beispielsweise ein Vorkommnis in Ergolding aus dem Jahr 1762 berichtet:

Der Bauer Jakob Giggl in Ergolding, des Baron von Aschischer Untertan, war mit seinem Rauhweitmaiergut Hs.Nr. 56 auf die Gant (Zwangsversteigerung) gekommen. Er hatte den Hof bereits stark verschuldet von seinem Vater übernommen. Dieser war mit seinen Verpflichtungen so weit im Rückstand geblieben, dass die seit 1715 aufgelaufenen Stift- und Gültschulden im Jahr 1748 sich auf über 3300 fl beliefen. Obwohl von der Herrschaft auf Bitten ein Betrag von 2000 fl nachgelassen wurde, war es dem Sohn doch nicht möglich gewesen, die drückende Schuldenlast abzutragen, so dass es in dem genannten Jahre zur Versteigerung kam und der Bauer samt seiner schwangeren Frau und 4 Kindern vom Hof verwiesen wurde. Die Familie wurde buchstäblich mit Hilfe von drei Dragoner des in Landshut gelegenen Regimentes La Rosée auf die Straße gesetzt. Dieser Vorfall erregte die Dorfbewohner ungemein und führte wiederholt zu nächtlichen Auftritten. Der Zorn richtete sich gegen den Gerichtsamtmann und den neuen Hofbesitzer Martin Prändl. Nicht nur der vertriebene Bauer, sondern auch unbekannte Dorfgenossen suchten zur Nachtzeit den Hof heim, um das darin verbliebene Gesinde mit Rumor und Lärm in Angst und Schrecken zu versetzen. Man sah sich deshalb genötigt, einen Dragoner zu deren Schutz im Haus einzuquartieren. Bei einer Hochzeit am 17.01.1764 in der Taverne kam es zu „offener Widersetzlichkeit“ gegen den Amtmann und seinem Knecht. Dabei taten sich besonders der Junglengerbauer Michael Stanglmaier und einige junge Leute hervor, die beim Militär gedient hatten. Die Folge davon war eine eingehende gerichtliche Untersuchung, bei welcher die Dorfbewohner vernommen wurden. Drei Haupträdelsführer, nämlcih der genannte Junglenger, der Hauserbauer Anton Spitzlsperger und der gewesene Rauhweitmaier Jakob Giggl, wurden gleich verhaftet und letzterer anschließend nach Ingolstadt „auf die Schanz“ gebracht, wo er ein Jahr lang büßen sollte. Das Gericht erhöhte dann die von der Gemain an Maria Gigglin zugestandenen Unterhaltsbeiträge von zwei Scheffel Korn auf drei Scheffel, weil sie doch nicht nur sich selbst, sondern noch zwei bei ihr befindliche Kinder und ein in Kürze zu erwartendes drittes zu ernähren habe. Außerdem musste ihr die Gemain das erforderliche Holz verabreichen. Der 12-jährige Sohn und die 10-jährige Tochter, welche schon zum Hüten und ähnlichen Arbeiten zu gebrauchen waren, sollte die Mutter zum Dienen ausgeben. Diese Unterstützung war nur für ein Jahr gedacht, solange der Mann und Vater seine Strafe in Ingolstadt einbüßte. Bei seiner Rückkunft wollte ihm die Gemain „die Hüt“ zu Ergolding (das Amt des Viehhüters) verschaffen, wodurch er seinen Unterhalt erlangen würde.

 

 

 

Napoleonische Kriege

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann Napoleon von Frankreich aus seine Kriegszüge durch ganz Europa. 1796 überschritten die Franzosen den Rhein und drangen in Süddeutschland ein. An diesen Vorstoß der Franzosen bis nach Bayern erinnert eine Votivtafel in der Ergoldinger Pfarrkirche. Auf ihr sind die bewaldeten Berghänge mit dem Schloß Bruckberg und die Ortschaften von Volkmannsdorf bis Ergolding abgebildet. Bei den oberen Ortschaften lagern die Franzosen in weißen Zelten, vor denen Kanonen aufgefahren sind. In den Wolken aber thront die Madonna mit dem Jesuskind, wie sie auf dem Hochaltar in unserer Pfarrkirche dargestellt ist. Unter dem Bild befindet sich folgender Text: „1796 den 8. September: waren die feindlichen Franzosen schon in Volkmannstorf. Bruckberg, Gündelkofen, Altdorf und Ergolding in größter gefahr bey der Nacht ausgeplindert zu werden der Pfarrer und seine Pfarrkinder haben sich zu der seel: Gnadenmutter auf dem Choraltar verlöbt zur danksagung wird alle Jahr den 8. September: eine Prozeßion gehalten. Praeses: Se, Hochwürden und gnaden Herr Franz Sebastian Schmid I. und D. wirklicher geistlicher Rath, Pfarrer zu Ergolding und Schulen Inspektor in dem Churfürstlichen Pfleggericht Rottenburg. Herr Georg Schandl und Barbara, deßen Ehegattin, Wirth alda. Simon Fellermeier, Schullehrer allhier.“ Die große Gefahr der lünderung wurde zwar für dieses Mal tatsächlich in Ergolding abgewendet, weil am 7. September mit den Franzosen ein Waffenstillstand ausgehandelt wurde.

 

 Votivtafel

 

Aber schon ein paar Jahre später standen die Franzosen Anfang Juli 1800 wieder vor Landshut, das von den kaiserlichen Truppen verteidigt wurde. Nach längerem Feuergefecht drangen die Franzosen in die Stadt ein und die Österreicher flohen über den Hofberg nach Achdorf.

 

Nachdem Bayern an der Seite Österreichs zwei schwere Niederlagen erlitten hatte, schloss es am 24. August 1801 ein Bündnis mit den Franzosen. So kämpften von nun an die bayerischen Truppen auf der Seite Napoleons gegen die österreichischen Brüder. Die französischen Soldaten lagen in den folgenden Jahren in den bayerischen Quartieren. Die Bevölkerung hatte die Truppen zu versorgen. Das führte zu ständigen Reibereien und Ausschreitungen.

 

Als 1809 die Österreicher nochmals in Süddeutschland einfielen, war Niederbayern wieder Kriegsschauplatz geworden. In schweren Kämpfen schlugen die französisch-bayerischen Truppen die österreichischen am 20. April bei Abendsberg, am 21. April bei Landshut und am 22. April bei Eggmühl. Die Auswirkungen der napoleonischen Kriege zeigen zwei Briefe von Ergoldinger Bauern.

 

So schreibt der Zehentner Georg Linnbrunner am 18. Juli 1809:

„Die inzwischen eingetretenen Verheerungen des Krieges haben mich aller Mittel beraubt, den haftenden Getreidedienst-Ausstand abzutragen, ja dieselben haben mich sogar der notwendigsten Mittel beraubt, um meine häuslichen und ökonomischen Bedürfnisse zu befriedigen. Da mein Haus ganz am Ende des Dorfes ist, hinter welchem die Truppen gelagert waren, so suchten sie auch, sehr natürlich, bei mir am ersten die Befriedigung ihrer Bedürfnisse. Alles Getreide, alles Hornvieh, Schaf und Schweine, aller Vorrat an Butter, Schmalz und anderen Mundvorräten ward mir genommen, Haus- und Baumannsfahrnisse ruiniert, selbst die für die Soldaten brauchbaren Kleidungsstücke von denselben sich zugeeignet. Um den zur Betreibung meiner Ökonomie notwendigen Einsatz zu machen, bräuchte ich ein Kapital von wenigsten 1600 fl, welche ich in Betracht meiner gegenwärtigen traurigen Verhältnisse nicht erhalten kann.“

 

Am 14. Oktober 1809 schrieb Linnbrunner un der Altlenger Andre Lueginger: „Es braucht keiner besonderen Erwähnung oder weitläufigen Darstellung des Schadens, welchen wir Unterzeichnete im gegenwärtigen Feldzug erlitten haben, denn es ist bekannt, dass Ergolding bei Landshut in den Tagen des verflossenen Monats April sehr viel gelitten hat. Bei dem Zusammenfluss zahlreicher Corps verloren wir einen großen Teil unseres Hornviehes, die meisten Schafe und Schweine, alles Geflügel, unseren Vorrat an Habern, Heu und Stroh, auch en größten Teil unseres Speisegetreides. Ohne die Nachteile der nachgefolgten zahlreichen Einquartierungen und die Verderbung unserer Mobilien und selbst der Häuser zu rechnen, dürfen wir beide unseren Schaden auf 3000 fl wenigstens angeben.“

 

Als Napoleon im Sommer 1812 seinen folgenschweren Feldzug nach Russland unternahm, der seine Welteroberungspläne endgültig zunichte machte und seinen Sturz herbeiführte, musste ihm auch Bayern 33.000 Mann zur Verfügung stellen, von denen nur mehr 3.000 in die Heimat zurückkehrten. Sicher waren darunter auch Ergoldinger und Oberglaimer, die dabei ihr Leben lassen mussten. Bei den Befreiungskriegen 1813 – die Befreiungshalle in Kelheim erinnert daran – kämpfte Bayern wieder auf Seiten der deutschen Großmächte Österreich und Preußen gegen die Franzosen.

 

Das Jahr 1816 brachte mit seinem sehr nassen und kalten Sommer für ganz Europa mit Ausnahme Russland eine totale Missernte, die im Frühjahr 1817 zu einer großen Teuerung und Hungersnot führte. Das bayerische Scheffel Weizen galt auf manchen Schrannenplätzen 100 fl.

 

 

Die Kriege 1866 und 1870/71

Im Krieg 1866 zwischen Österreich und Preußen kämpfte Bayern abermals auf Seiten des Verlierers. Es musste an Preußen neben geringen Gebietsabtretungen im Norden 30 Millionen fl Kriegsentschädigung zahlen und dem Norddeutschen Bund beitreten. Dadurch war es 1870 auch verpflichtet, mit Preußen in den Krieg gegen Frankreich zu ziehen. Nach den Unterlagen der Krieger- und Soldatenkameradschaft Ergolding sind im 66-er Krieg vier Teilnehmer aus Ergolding gefallen. Im Krieg gegen Frankreich 1870/71 nahmen 60 Ergoldinger teil. Ob und wieviele von ihnen gefallen sind, ist nicht bekannt. Bei der Gründung des Veteranen- und Kriegervereins Oberglaim 1920 waren noch zwei Veteranen des 70-er Krieges anwesend, nämlich der Altlinnerbauer Josef Wimmer von Oberglaim und Martin Dobl aus Pfarrkofen.

 

Es folgten Jahrzehnte mit einer starken wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung, die durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges jäh beendet wurde.

 

 

Der Erste Weltkrieg 1914-1918

Am 1. August 1914 wurde in Deutschland die „Mobilmachung“ ausgerufen und alle wehrfähigen Männer eingezogen. Die fehlenden Arbeitskräfte in der Heimat wurden nach und nach durch Kriegsgefangene ersetzt. Da man nur mit einer kurzen Kriegsdauer rechnete, unterblieben alle Maßnahmen zur Sicherung des Kriegsbedarfes und der Ernährung der Bevölkerung. Erst im weiteren Verlauf des Krieges wurden die Lebensmittel rationiert und der Konsum fast auf die Hälfte reduziert. Die Zwangswirtschaft dehnte man dann auch auf alle anderen Wirtschaftsgüter aus wie Textilien, Schuhe, Brennmaterial usw. Zu den Entbehrungen kam die große Sorge um die an der Front kämpfenden Ehemänner, Väter oder Söhne und die Trauer um die bereits gefallenen Angehörigen. In diesem Krieg hatte Ergolding 38, Piflas 6 und die Gemeinde Oberglaim 22 Gefallene und Vermisste zu beklagen.

 

 

Der Zweite Weltkrieg 1939-1945

Von den Vorbereitungen zu diesem Krieg merkte man im dörflichen Bereich kaum etwas. Es wurde zwar 1936 die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt und die Rüstungsindustrie auf- und ausgebaut, aber erst beim Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Österreich im März 1938 schreckte die Bevölkerung auf und erkannte plötzlich die Gefährlichkeit der deutschen Offensivpolitik. Mit dem Beginn des Blitzfeldzuges der deutschen Truppen gegen Polen am 1. September 1939 brach dann der zweite Weltkrieg aus. Er war von Hitler geplant und bestens vorbereitet. Anders als im ersten Weltkrieg wurden gleich in den ersten Kriegstagen die vorgedruckten Lebensmittelkarten ausgegeben und die Rationierung aller Wirtschaftsgüter angeordnet. Den Bauern legte man in den folgenden Jahren hohe Ablieferungskontingente bei ihren Erzeugnissen auf. Von Zeit zu Zeit gingen Beauftragte der Kreisleitung durch die Ställe der Landwirte und enteignete Rinder und Schweine, um den Bedarf an Schlachtvieh zu decken. Sie suchten auch Böden und Keller nach Getreide- und Kartoffelvorräten ab.

 

Im ganzen Land galten strenge Verdunklungsvorschriften, damit einfliegenden feindlichen Flugzeugen keine Zielpunkte oder Orientierungshilfen gegeben wurden. Das Abhören ausländischer Sender wurde unter schwere Strafe gestellt.

 

Nach dem Polenfeldzug trafen im Dezember 1939 die ersten polnischen Arbeitskräfte für die Landwirtschaft in Ergolding und Oberglaim ein. Es waren junge Leute, sowohl Männer als auch Frauen, die zwangsweise nach Deutschland zum Arbeitseinsatz verpflichtet wurden. Ab 1940 füllten französische Kriegsgefangene und später russische Gefangene und Zivilverschleppte die Arbeitslücken, die durch die Einberufung der jungen Männer zum Kriegsdienst entstanden waren. Die Kriegsgefangenen durften nicht bei den Bauern, bei denen sie arbeiteten, untergebracht werden, sondern mussten jede Nacht in einem eigenen Lager mit einem Aufsichtsosten eingesperrt werden. In Ergolding waren die Gefangenen beim Postwirt im Saal untergebracht, in Oberglaim beim Betzwirt, in Unterglaim beim Schwertl und in Kopfham beim Oberpriller. In Piflas war kein Lager notwendig. Dort waren nur polnische Zivilarbeiter eingesetzt.

 

Wenn auch anfangs die deutschen Truppen immer weiter in das Feindesland vordrangen, bangten zu Hause die Familien um das Leben ihrer Angehörigen an der Front; die Gefallenenmeldungen häuften sich immer mehr, je länger der Krieg dauerte. Erst in den letzten beiden Kriegsjahren wurden die direkten Kriegshandlungen überall spürbar. Ab 1944 überflogen fast täglich feindliche Bombengeschwader unseren Raum und zerstörten Städte und kriegswichtige Anlagen. Auch wenn die gefährlichen „Silbervögle“ immer über die Dörfer hinwegflogen, so war man in Ergolding und Umgebung vor einem eventuellen Luftangriff wegen der nahen Stadt und des Flugplatzes direkt am Dorfrand nie sicher. Diese ständige Angst steigerte sich, als ab 1945 die Stadt Landshut wiederholt angegriffen wurde. Besonders hautnah erlebten die Ergoldinger den schweren Luftangriff auf das Landshuter Bahnhofsviertel am Nachmittag des 19. März 1945, bei dem 476 amerikanische „fliegende Festungen“ ihre verhängnisvolle Bombenlast in einem 84 Minuten dauernden Angriff abwarfen. Viele Ergoldinger verließen die Ortschaft und suchten in den umliegenden Feldern und Wälder Schutz vor der Gefahr. Bei diesem Angriff kam der Bauerssohn Karl Stanglmayer aus Hader, der gerade auf Urlaub zu Hause weilte, am Bahnhofsplatz in Landshut ums Leben. Mehrere Bombentrichter gab es auch in den Feldern bei der Bahnunterführung an der Straße nach Rottenburg. Auch in Piflas fielen Fliegerbomben, und zwar beim Angriff am 11.04.194 an der Kreuzung Bundesstraße/Schinderstraßl; diese Bomben richteten aber keinen nennenswerten Schaden an. Ganz schlimm waren in den letzten Kriegswochen noch die feindlichen Tiefflieger. Sie schossen auf alles Verdächtige und griffen jedes Fahrzeug an, das sie erspähten. Der Flugplatz und seine Baracken wurden von ihnen mehrmals beschossen.

 

Als im Herbst 1944 die Grenzen des Reiches durch das unaufhaltsame Vordringen der feindlichen Kampfverbände bedroht waren, wurden alle in der Heimat verbliebenen Männer zwischen 16 und 60 Jahre im sogenannten „Volkssturm“ zur Heimatverteidigung aufgerufen und verpflichtet. Auch in unseren Dörfern mussten die Betroffenen jeden Sonntag zum Volkssturmappell antreten und das Handhaben der Verteidigungswaffen vor allem der Panzerfäuste üben. In Bayern ist aber der Volkssturm nicht mehr sehr aktiv geworden.

 

Im August 1943 wurden Frauen mit Kindern aus Hamburg wegen der vielen Luftangriffe auch nach Ergolding evakuiert und ab Februar 1944 folgten weitere 41 Personen, die in München ausgebombt waren oder die Stadt wegen der Fliegerangriffe verließen.

Ende Februar 1945 wurden in die Ergoldinger Schule mehr als 100 Insassen eines Pflegeheimes aus Tommersdorf an der Neiße eingewiesen. Die vollends erschöpften und apathischen Gestalten lagen auf Strohlagern in den Schulräumen und siechten dahin. Allein in der ersten Nacht starben acht Leute von ihnen an Unterernährung und Entkräftung. Der Transport aus Schlesien war über acht Tage unter unvorstellbaren Strapazen und Entbehrungen für die Pfleglinge und das Personal unterwegs gewesen. Ein kleiner Teil der ankommenden Elendsschar, vor allem die rüstigeren und gehfähigen unter ihnen, wurden im Wirtshaus in Unterglaim (Emslander) und Oberglaim (Ganslmayer) untergebracht. Der Rest blieb im Schulhaus. Das Essen für die Flüchtlinge im Schulhaus Ergolding musste jeden Tag ein anderer Bauer zur Verfügung stellen. Ende Märzverlegte man das Lager nach Deutenkofen in die stillgelegte Schloßbrauerei, wo die Raumverhältnisse lockerer waren. In den paar Wochen Aufenthalt in Ergolding starben 52 Personen. Sie alle wurden in einem 8 m tiefen Massengrabe in Schichten übereinander im Friedhof bei der Peterskirche bestattet. 1980 hat der Markt Ergolding für dieses Grab ein neues Steindenkmal errichten lassen, und ab 1981 hat der Verein der Eigenheimer die Pflege für das Flüchtlingsgrab übernommen.

 

Am Sonntag, den 29. April 1945, erreichte uns die Front. Die Amerikaner kamen aus Richtung Rottenburg. In Oberglaim fielen beim Einmarsch der Amerikaner noch drei deutsche Soldaten, die sinnlos aus einer Scheune heraus auf die feindlichen Panzer schossen. Durch Granatbeschuss der einrückenden Kampftruppen brannte an diesem Tag auch das Stallgebäude des Einödhofes Grandsberg nieder. Ein verstreuter einzelner SS-Mann hatte noch vom kleinen Wäldchen vor Grandsberg aus mit seinem Maschinengewehr auf die ankommenden Amerikaner geschossen.

 

Die zurückweichenden deutschen Soldaten, meist nur noch Leute der Waffen-SS, leisteten aber kaum noch nennenswerten Widerstand. Sie zogen sich über die Isar zurück und sprengten hinter sich alle Brücken. Von Frauenberg aus feuerten sie noch auf die anrückenden Amerikaner. Einzelne Granaten schlugen auch in Ergolding im unteren Dorf ein, richteten aber keinen größeren Schaden an. Irrtümlich beschossen sie den letzten deutschen Panzer, der um die Mittagszeit aus Richtung Unterglaim hereinfuhr und den sie für ein feindliches Fahrzeug hielten. Fünf deutsche Panzersoldaten starben am Ortseingang von Ergolding auf diese tragische Weise noch den „Heldentod“. In Ergolding war zwar die weiße Fahne am Turm der Pfarrkirche gehisst, aber auf der Ostseite, so dass die Amerikaner, die von Westen kamen, sie nicht sehen konnten. So schossen sie einige Salven in Richtung Pfarrkirche ab und beschädigten den Turm leicht. Der Metzger Trellinger fuhr ihnen daraufhin mit dem Fahrrad und einer weißen Armbinde entgegen und kündigte ihnen die kampflose Übergabe an. Im unteren Dorf mussten noch an diesem Abend das Schulhaus und einige Bauernhäuser für die Soldaten geräumt werden. Das gleiche Schicksal erfuhren auch mehrere Familien in Unterglaim, Käufelkofen, Kopfham und Piflas. Die Soldaten stellten ihre Panzer in den Höfen ab und belegten die Wohnräume. Die Bewohner mussten in die Ställe oder anderswohin ausweichen. In der folgenden Nacht und am darauffolgenden Tag beschossen die Amerikaner noch einige Widerstandsnester auf den gegenüberliegenden Isarhöhen, sowie die Stadt Landshut, die dann in den Morgenstunden des 1. Mai kampflos eingenommen wurde. Während die besetzten Wohnhäuser bald wieder frei gegeben wurden, blieb das Schulgebäude für längere Zeit beschlagnahmt. Schulunterricht fand sowieso keiner statt, und die Gemeindekanzlei war in die Chemische Fabrik ausgelagert, wo sie in zwei Räumen untergebracht war. In der Scheune beim Riedl Hs.Nr. 66 in Ergolding war das amerikanische Rotkreuz und das Versorgungslager untergebracht. Die gefangengenommenen deutschen Soldaten wurden im Pfarrstadel gesammelt. Auch im Garten des Anwesens Paul Unterglaim Hs.Nr. 6 war ein Sammellager für deutsche Gefangene eingerichtet.

 

Die gefangenen Franzosen und Russen konnten nun frei die Heimreise antreten. Die aus den östlichen Ländern verschleppten Zivilpersonen blieben länger oder ganz. Sie wurden zwar in den sogenannten UNRRA-Lagern zusammengefasst und dort versorgt, aber sie überfielen und beraubten besonders nachts immer wieder Bauernanwesen vor allem Einödhöfe. In unserer Gemeinde wurden der Oberprillerhof in Kopham Hs.Nr. 3 und die Einöde Stehberg von einem solchen Raubüberfall heimgesucht. Dabei kam in Stehberg die junge Bäuerin ums Leben.

 

Im Zweiten Weltkrieg sind insgesamt 127 Ergoldinger, 39 Piflaser und 46 Oberglaimer gefallen, vermisst, in Gefangenschaft gestorben oder sonstwie durch Kriegseinwirkungen ums Leben gekommen. Viele deutsche „Landser“ kamen erst nach jahrelanger, harter Kriegsgefangenschaft wieder in die Heimat zurück. Der letzte Heimkehrer war Michael Bruckmoser, der nach fast 9-jähriger russischer Kriegsgefangenschaft in die Heimat entlassen wurde und am 04.01.1954 in Ergolding eintraf, wo ihm die Heimatgemeinde einen feierlichen Empfang bereitete.

 

 

 

 

Quelle: Heimatbuch des Marktes Ergolding, November 1999

Das Heimatbuch des Marktes Ergolding ist beim Markt Ergolding für 13,00 € erhältlich.

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